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| 1. Diabetesberater
Deutschlands geht in den Ruhestand Siegfried Golla hat 30
Jahre lang Patientinnen und Patienten geschult Wenn Siegfried Golla aus dem Nähkästchen
plaudert, dann wird es sehr unterhaltsam. So ist es nicht
verwunderlich, dass er beim diesjährigen Diabetestag im Mai ein
Seminar leitete, in dem er von seinen Erfahrungen aus 30 Jahren
Beratung von Diabetikern berichtete, also Menschen mit Diabetes
mellitus. So von einem älteren Herrn, der nach einer Schulung ganz betroffen aussah. „Bisher hat man bei mir von Diabetes gesprochen und mit Tabletten behandelt, jetzt erfahre ich, dass ich mellitus habe, das man mit Insulin behandeln muss“, war dieser ganz verzweifelt. Siegfried Golla war 1984 der erste Diabetesberater Deutschlands. Professor Berend Willms hatte das neue Berufsbild initiiert, berichtet er. Bis dahin hatten Ärzte Patienten in großen Gruppen geschult, egal ob Kind oder Senior. Fortan gab es Schulungen in kleinen Gruppen, die ein Arzt, ein Diabetesberater und eine Diätassistentin gemeinsam bestritten. In dieser Zeit mussten viele Ärzte und Ernährungsberater umdenken. Sollte sich bisher jedes Essen und Trinken nach einer festen Insulingabe richten, ging man dazu über, die Insulinmenge an der Essgewohnheit auszurichten. Deshalb gibt es inzwischen für Diabetiker keine Diätempfehlungen mehr. Der gesunde Körper kontrolliert auch sekündlich den Blutzuckergehalt und korrigiert mit Insulin. Seit Ende der 1980-er Jahre kontrollieren Diabetiker ihren Blutzuckergehalt regelmäßig selbst und managen ihre Insulingaben eigenverantwortlich. Das setzt eine intensive Schulung der Betroffenen voraus, damit sie die Zusammenhänge verstehen und bei Unregelmäßigkeiten richtig reagieren können. Wenn Siegfried Golla das erklärt, dann scheint es ganz einfach zu sein. Er hat es offenbar im Laufe der Jahre gelernt, auf sehr verschiedene Patienten einzugehen. Vermutlich hat er bezüglich Diabetes mellitus mehr Kenntnisse und vor allem auch Erfahrungen mit Patienten als mancher Assistenzarzt. Wieviel Insulin mehr oder weniger sollte man spritzen, wenn die Blutzuckerwerte aus dem Zielbereich geraten? Ein Mensch ist keine Maschine, jeder reagiert anders. Ein erfahrener Diabetesberater wie der Lauterberger kann das oft besser einschätzen. Es klingt ein wenig Stolz mit, wenn Siegfried Golla erzählt. Etwa schmunzelnd von dem älteren Herrn, der damals, als das Pflegepersonal noch selbstverständlich weiße Kittel trug, ihn fragte: „Herr Wärter, wieviel Grad Insulin muss ich mehr aufziehen, wenn ich abends einen saufen gehe?“ Das Diabeteszentrum ist aber doch keine Anstalt! Gerne erzählt er auch von einem Patienten der Diabetesklinik in Bad Lauterberg, der 1977 in der Lufthansa-Maschine "Landshut" saß, die ein palästinensiches Terrorkommando nach Mogadischu in Somalia entführte. Anders als er gelernt hatte, hatte der Diabetiker sein Insulin ins Gepack gesteckt, nicht ins Handgepäck. Im Laufe der Entführungsstunden bekam der Diabetiker gesundheitliche Probleme. Die Terroristen wollten aber niemanden ans Gepäck lassen. Aber sie ließen Insulin besorgen. Auf dem Etikett stand aber nur etwas in arabischer Sprache. Es war nicht herauszufinden, welche Konzentration das Insulin hatte. Der Patient erinnerte sich an seine Schulung in Bad Lauterberg und spritzte sich nach und nach kleine Dosen, bis er merkte, wie sich sein Zustand verbesserte. "Vermutlich hat ihm die Schulung das Leben geretten", mutmaßt Siegfried Golla. ![]() Medizinisch müssen Diabetesberater immer auf dem aktuellen Stand sein. Dabei hat die Behandlung seit 1921, als das Insulin entdeckt wurde, eine rasante Entwicklung genommen. Ende der 1980-er Jahre war es der große Umbruch, als man begann, Patienten für die Selbstkontrolle und fürs Selbstmanagement ihres Diabetes zu schulen. Zuletzt war es die Entdeckung der HbA1c-Langzeitkontrolle und die Entwicklung des synthetischen Darmhormons GLP-1, an der auch Professor Michael Nauck wesentlich beteiligt war. Begleitet wurde die medizinische Forschung von der Entwicklung immer besserer Hilfsmittel und Messgeräte. Auch da muss ein Berater Fachmann sein. Und die Forschung geht weiter. Siegfried Golla wird das ab September (2011) nur noch privat interessieren, wenn die zweite Phase seines Vorruhestandes beginnt. Siegfried Gollas Nachfolgerin ist übrigens Sandra Tepelmann. |
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